Wow! Was für ein Abschluss :)

Montag, 03.06.2013

Da bin ich mal wieder. Und das zum letzten Mal.

Meine Zeit aus Island ist jetzt um. Ich sitze in Hamburg und versuche meine letzten Wochen zu überdenken und rauszufiltern, was noch interesant sein könnte. Hier mein Versuch:

Die letzten Wochen/Tage auf meiner Farm waren nochmal ziemlich anstrengend. Ich konnte immer mehr Arbeit machen und habe Högni und Björk so gut es geht entlastet. Das hat dann natürlich an der Kraft gezerrt, aber es hat auch Spaß gemacht.
In den letzten Tagen habe ich dann schon gespürt, dass ich ein bisschen traurig bin, die Farm zu verlassen. Mehr wegen den Lämmchen, besonders Vladi, als wegen Högni und Björk.
Die waren glaube ich etwas traurig. Zumindest war der Abschied sehr herzlich, im Vergleich zu dem was ich erwartet habe.. Das hat mich beruhigt, da ich nicht wusste, wie sie (die durchgehend doch eher gefühlsarmen Bauern) damit umgehen. Aber nach einer Umarmung und sogar ein Geschenk von Lila (Ein von ihrer Schwester gestrickter Pulli + Socken) habe ich mich auf den Weg gemacht. (Das Geschenk war wirklich eine rührende Geste und hat mir gezeigt, dass Lila mich mochte, obwohl wir kaum miteinander gesprochen haben.) Das AbschiedsFoto was ich gemacht habe, spricht Bände denk ich. 4 Säulen, von der nur ich lächel :P

Högni hat mich nach Varmalid gefahren, zur nächsten Tankstelle. Nach zwei Minuten Daumen raushalten und drei Autos später, hat mich ein dänisches Pärchen mitgenommen. Nach einer gesprächsintensiven Fahrt, setzten sie mich an der Straße ab, mit der es in den Westen Islands geht. Fünf Minuten im Regen und zwei Autos später, nahm mich ein sehr, sehr nettes Isländisches Pärchen mit. Eine 50-60 jährige Jura-Studentin (Studieren kann man immer! - Ihr Motto) und ihr Mann. 20 Minuten später im Regen wurde ich dann aufgesammelt von einem 6 oder vielleicht auch 7 Wörter sprechendem Isländer. Das fande ich besonders beeindruckend. In Deutschland würden glaube ich wenige jemanden mitnehmen, den sie nicht verstehen.  Das letzte Auto war dann eine Minute später im Regen bei mir.
Wie es der Zufall wollte, was in Island aber auch nicht so schwer ist, waren die beiden Männer mit einem auf Oli´s Farm verwandt. Also haben sie spontan ihre Mutter besucht, die in der Nähe von dem Ort wohnt, an dem mich Oli abholen wollte, und haben mich dort abgesetzt.
Nach ein paar Minuten kam Oli angedüst. Auf dem Weg zur Farm gab es eine kleine Sightseeing-Tour. Naja... die beinhaltete bei Wolken, Nebel und Regen den Lieblingsplatz von Oli anzugucken, "mit einer wunderschönen Ausicht"... Wolken, Nebel und Regen nämlich :D und die Stadtbesichtigung von Reykholar, der nächst größten Stadt von seiner Farm aus (150 Einwohner). War sehr klein, aber fein!

Dann ging es zu seiner Farm. 700 Schafe (also wesentlich mehr als bei meiner), ca.25 Kühe, Hühner, Fischernetz, drei Hunde, sechs Pferde, die Besitzer (Frida & Erik), deren Tocher + Mann + zwei Kinder (Rebeka & Stjoni, die Kindernamen habe ich leider vergessen...), andere Tochter (Harpa, die nur im Sommer da ist und den Winter über in England studiert) und Oli.

Ich habe mich gleich wohlgefühlt. Die Familie ist sehr nett und offen (tatsächlich alte AFSer und Problem-Austauschschüler-Empfänger). Wir haben uns gleich super verstanden. Mit viel Lachen, singen, rumalbern, also einfach guter Laune, haben Oli und ich fleißig im Kuh- und Schafsstall mitgeholfen. Außerdem haben wir Harpa geholfen, in dem Turistenzentrum, das sie managed, eine Küche zum Streichen vorbereitet und sie dann auch gestrichen. Eine sehr anstrengende Arbeit, weil es perfekt gemacht werden musste. (Nicht so wie die Studentenzimmer, bei denen man nicht soo genau sein muss^^) Aber es war so lustig und nett mit ihr und Oli, dass wir es sehr gut geschafft haben.

Das Leben auf der Farm war ein riesen Unterschied zu dem Leben von Högni und Björk! Es wurde viel geredet und gelacht. Sie haben versucht uns Isländisch beizubringen und uns alles erklärt, was wir nicht kannten. Das Essen war erstaunlicherweise ähnlich, außer dass nicht so oft gegessen wurde. Die Leute waren wesentlich weniger faul und haben quasi Rund um die Uhr gearbeitet. Meiner Meinung nach sind sie besser mit den Schafen umgegangen, da sie die nicht gepackt und am Fell gezerrt haben, sondern so lange mit schnellen klaren Bewegungen gearbeitet haben, dass die Schafe wesentlich ruhhiger und nicht so gestresst waren. Auch bei der Geburt haben sie viel weniger geholfen. Die meisten haben sie selber gebären lassen. Nur bei Problemfällen wurde wirklich eingeschritten. Ich denke, dass ist wesentlich besser für die Schafe und auch natürlicher.
Außerdem habe ich etwas neues bei Isländern entdeckt.... Beim Essen pupsen die Isländer einfach laut und keiner reagiert... Ih! Oli hatte mir davon erzählt. Als dann an einem Abend Erik neben mir saß und sich zur Seite gelehnt hat und ein unüberhörbares Geräusch entwich, habe ich mich versucht zusammen zu reißen. Das ging 2 Sekunden, dann habe ich aber Oli angeguckt und musste soo doll lachen... das habe ich dann so gut es geht und letzendlich mit Erfolg unterdrückt. Aber eine sehr ungewohnte und für mich unangenehme Verhaltensweise... :D

Weil wir im Stall und beim Streichen so viel geholfen haben, hat die Familie versucht uns zu danken, indem wir alles Mögliche gezeigt bekommen haben, oder machen durften.
Wir waren also Fischen, Reiten, Quad fahren, Traktor fahren, wandern und und und.

Fischen: Ein Traum! Wir sind Vormittags runter zum Boot gefahren in einem sehr eleganten und sexy Fischer-Outfit.
Dann ging es los. Mit einem kleinen Boot, mit einer Box in der Mitte für die Fische, sind Harpa, Stjoni (die sind sehr unterhaltsam zusammen, weil die sich immer aufziehen, aber doch irgendwie lieb haben:) ), Oli und ich raus aufs Meer und ab zum Netz getuckert. (das kleine grün/weiße Boot)
Beim Netz angekommen, wird die Boje eingefangen und das Netz stück für Stück eingeholt. Olli und ich haben von Stjoni und Harpa immer die Fische in die Hand gedrückt bekommen und wir mussten sie aus dem Netz befreien und in die Kiste schmeißen. Und dann hieß es immer "Naiste!". Gefangen und gegessen wird nur der sog. Seehase (Enlgisch: Lampfish). (Weibchen sind riesig, im Vergleich zu den Männchen; die Männchen haben dafür einen rot/rosa Bauch.)
Im Netz verfangen sich auch viele Rochen und ein paar andere größere Fische, aber die fummeln wir raus und schmeißen sie zurück ins Meer. Ca. einmal im Jahr verfängt sich auch eine Seerobbe im Netz. Das wollen wir natürlich nicht, aber kann man nciht wirklich ändern. Zu meinem Glück/Pech war ich an genau dem Tag dabei. also konnte ich mir mal eine Seerobbe von ganz Nah angucken und sie anfassen. Sehr interessant:)
Als die zwei Netze leer waren und wir eine kleine Pinkel-Pause für die Jungs auf einer Mini-Stein-Insel gemacht haben, ging es zurück. Fische ausladen, auf den Traktor und durchgefroren (Regen+Wind+Kalt.) ab nach Hause. Als wir grade losfahren wollte, haben wir noch eine Seerobbe (diesmal lebend) entdeckt, wie sie ihren Kopf aus dem Wasser reckt und uns beobachtet, als ob sie uns verabschieden wollte. Süß! :)

Auf der Farm angekommen mussten die Fische verarbeitet werden. Sprich: Erik´s Job ist es, die Fische zurecht schneiden. Eigentlich lässt er keinen anderen ran, weil er Angst hat, dass der Fisch ruiniert wird und weil es seine Aufgabe schon seid Jaaaaahreeeen ist. Aber Oli und ich durften beide einen Fisch schneiden, den wir dann auch abends gegessen haben.
Ein Teil der Fische erstickt auf dem Weg zu Farm und der Rest stirbt dann spätestens beim Aufschneiden. Das wird so gemacht, dass Erik von hinten, oben den "Rücken" abschneidet, bis zum Kopf. Dann geht er senkrecht mit dem Messer, die Hälfte der Körpers runter, um dann Diagonal zum unteren Ende zu schneiden. Also Kopf, Innereien (die Leber holt er raus, weil die gegessen wird) und Flossen werden abgeschnitten.
Da es viele, viele Fische sind, braucht er lange und hört dabei immer Hörspiele. Manchmal mit seiner Frau, wenn die ihm hilft. Irgendwie eine lustige Situation.
Ein Teil der geschnittenen Männchen, wird zum Räuchern (die haben ein Räucherhaus in dem sie selbst räuchern) aufg ehängt.
Ein anderer Teil der Weibchen wird draußen aufgehängt zum trocknen. (Je nach Wetterlage 10-14 Tage)
Und ein großer Teil wird eingeforen und später dann gekocht, verkauft oder geräuchert.
Eine wikrlich coole, traditionelle isländische Arbeit. Ich bin so froh, dass ich das erleben drufte!!

Reiten:

Wie schon geschrieben, hat die Familie versucht uns für unsere Hilfe zu Danken. Also haben wir es ermöglicht bekommen, einen Ausritt zu machen.
Oli, Harpa und ich sind also auf drei Isländern durch die Natur, querfeldein geritten. Ein Traum!! Im Einklang mit Pferd und Natur fühlt man sich einfach wie im Himmel und genießt lächelnd das Leben.
Wir sind also die Küste entlang geritten. Rechts die Berge und links das Meer. Durch Pfützen, Flüsse, Felder vorbei an Schafen und brütenden Vögeln. Die Pferde sind zu 6. das ganze Jahr über draußen auf zwei riesigen Feldern. Wir haben also die Sättel und Trensen ins Auto gepackt und sind hingefahren. Die Pferde sind so lieb und trainiert, dass sie bleiben und sich ohne wegrennen problemlos anfassen und fertig machen lassen. Und dann reitet man einfach los. Ein traumhaftes Leben für Tier und Mensch.

Jetzt kommen noch ein paar Bilder von der Farm, der Aussicht beim Wandern und beim Quad fahren, den Kühen usw.
(der "Flughafen" von Reykholar :D ) (Frida beim Kühe melken)    Holz-Handwerk von Erik. Er stellt die Dinge selbst her, aus Holz aus der Umgebung. Z.B. von dem Baum vorne links in dem Bild: Ein Exemplar liegt jetzt in Hamburg bei Familie Zielke, falls ihr euch das angucken wollt :P )
Bei den nachfolgenden Bildern wird gezeigt, wie Rebeka und Oli (ich habe das auch gemacht, aber es gibt kein Beweisfoto) die Haut und das Fell von einem toten Kalb und Lamm abziehen. Sehr interessant, aber doch auch etwas komsich. :)  

  (das Bild haben wir an dem letzten Abend um ca 00.30 Uhr gemacht. Bevor ich fahren musste, wollte ich unbedingt nochmal Quad fahren. In einer atemberaubendem Szenerie mit viel Spaß!!! Ein gelungener Abschluss meines Farm-Aufenthalts.)

Am nächsten Tag ging es dann ab nach Rejkiavik. Geplant war eigentlich trampen, aber da es üblich ist, dass die Familie jeden anruft die sie kennen und fragen, ob jemand zufällig dann nach Rejkiavik fährt, und meine Familie tatsächlich jemanden gefunden hat, wurde ich gefahren. Bis vor die Haustür von Elfa (die ich am Anfang schon kennengelernt habe). Hundemüde und überglücklich habe ich meinen letzten Abend bei der Familie zu Hause verbracht und bin am nächsten Tag um 5 Uhr morgens zum Flughafen gefahren, mit Elfas Sohn und seiner Freundin, die jetzt für drei Monate in Berlin sind.

Sehr traurig, dass ich Oli's Farm und das zauberhafte Island verlassen musste, aber überglücklich mit den Erfahrungen und Erlebnissen im Gepäck bin ich dann bei 14°, Regen und Wind in Deutschland gelandet und wollte wieder zurück... :(

 

So. Das war's. Episode Island 2013 ist zu Ende. Episode Island 2014 auf Oli's Farm und mit mehr Reisen schwebt schon in meinem Kopf herum!
Es war eine wirklich interessante, lehrreiche, am Ende auch lustige Zeit, die mich überglücklich gemacht hat und niemals in Vergessenheit geraten soll.
Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen Näher bringen, was ich so erlebt habe und wie es mir so ergangen ist, und das hoffentlich mit ein bisschen Freude beim Lesen. :)
Ich freue mich jeden von euch demnächst oder auch in etwas weiterer Ferne zu sehen!!

Sjáumst aftur! (=Auf wiedersehen!)

Schleim, Platsch, Bloody Marry

Donnerstag, 16.05.2013

So. Es wird mal wieder Zeit, aus meinem Leben als Quasi-Schaf zu berichten.

Ich würde sagen, mir geht es soweit echt gut! Natürlich gibt es hier und da ein paar Dinge die mich stören, nerven oder verunsichern. Aber es hat sich wirklich gut entwickelt.

Letzte Woche habe ich Besuch bekommen. Olli, ein Freund von Lisa und mittlerweile auch von mir, arbeitet jetzt auch für fast 3 Monate auf einer Farm. Bevor er seine Arbeit dort angefangen hat, ist er hier vorbeigekommen. Högni und Björk hatten nichts dagegen, dass er für eine Nacht bleibt. Als er hier war, habe ich mich natürlich mega gefreut über die Abwechslung und die Gesellschaft! Olli hat sich gut mit Högni und Björk verstanden und hat deswegen gefragt, ob er noch länger bleiben könnte. Das war dann auch kein Problem, weil er im Gegenzug fleißig mitgeholfen hat. Somit hatten wir fast 4 Tage eine echt coole Zeit. Wir haben uns die Arbeit geteilt, viel geredet, gepuzzlet (übrigends ein echt doofes Puzzel, weil es nur aus schwarzen, weißen und blauen Teilen besteht...), spazieren gegangen, gesungen und das Auto gewaschen, mit der Hand und Schwamm, Waschanlagen gibt es hier weit und breit nicht.
Es war wirklich angenehm und hat mich aus meiner Einsamkeit und dem ein-bisschen-Verzweifelt-sein-weil-es-mit-Högni-und-Björk-nicht-so-gut-funktioniert rausgeholt.

Bevor Olli kam, haben die Beiden mich natürlich gefragt, wer das ist, er da kommt. Ich konnte ihnen nicht wirklich antworten, weil ich noch nciht so viel über ihn wusste, außer das er ein sehr netter Mensch ist. Das war für sie glaube ich etwas komisch. Natürlich kam auch die Frage, ob das mein Freund seie.
Als Olli wieder gefahren ist, hat Björk mich gleich gefragt, ob er denn jetzt mein Freund seie. Als ich ihr geantwortet habe: "Nein, und das war auch nicht die Absicht." Konnte sie das kaum glauben. Sie hatte uns schon die ganze Zeit immer so komisch angeguckt und ich habe vermutet, dass sie darauf guckt. Sie meinte dann, dass so ein Verhalten zwischen Jungen und Mädchen in unserem Alter in Island untypisch ist, wenn keine sexuellen Absichten dahinter stehen.. Dann hat sie ihr Gefühl zu Olli geäußert: Sie glaubt, er nutze Mädchen ein bisschen aus. Er sei hierher gekommen, mit der Absicht eine Nacht zu bleiben, woraus dann vier wurden. Und auf dem Hof, wo er jetzt arbeitet, kenne er auch schon ein Mädchen in meinem Alter. Deswegen könne sie nicht glauben, dass er einfach nur ein lieber Mensch ist, der gerne andere Leute mag. So was kennt sie nicht....
Ich wusste im ersten Moment nicht, ob ich sauer sein soll... Olli ist einfach ein herzensguter Mensch, der es einfach liebt, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, und so eine Unterstellung passt einfach überhaupt nicht.
Mittlerweile denke ich, wenn man 10 Jahre hier mitten auf dem Land im Nichts wohnt und immer nur die gleichen Menschen sieht und sehr wenig erlebt, ist so ein weltoffener, alles liebender, internationaler Mensch etwas komisch. Vielleicht wäre ich nach so langer Zeit im Nichts auch so... Sie hat dann noch etwas später im Gespräch gesagt, dass sie immer etwas Zeit braucht, um sich an andere Leute zu gewöhnen und sich ihnen zu öffnen.
Außerdem meinte sie, sie war verwundert darüber, wie sehr wir aufeinander hockten. Und dass ich in den Tagen meine Aufgaben nicht so gut und aufmerksam gemacht habe, wie  sonst. (Ich verstehe nicht ganz, was sie erwartet hat. Hat sie erwartet, dass ich Besuch bekomme und dann immer zwischen durch, wenn ich nicht im Stall arbeiten muss, etwas Zeit mit dem verbringe und sonst nicht? Komisch...)
Ich glaube, der Besuch war für die hier ein kleiner großer "Kulturschock".

Das Lustige daran ist, dass (nicht so wie befürchtet, etwas schlechter geworden ist) es seit dem viel besser zwischen uns läuft. Ich glaube, es liegt daran, dass wir uns ein bisschen mehr kennengelernt haben, dass sie meine (ihre Worte) "wirklich gute, fast perfekte" Arbeit zu schätzen wissen, und wir uns einfach aneinander gewönt haben.
Das zeigt sich darin, dass wir uns alle so verhalten, wie es uns gerade passt, dass wir mehr und lockerer und lustiger miteinander reden und, dass sie mir mehr Verantwortung beim Arbeiten geben. Das ist ein schönes Gefühl!

Anzahl der Lämmchen: ca. 440
Und es kommen NOCH mehr. Mittlerweile habe ich schon einiges gesehen. Viele verschiedene, unterschiedlich angenehme Todgeburten, sterbende Lämmer, wegen Krankheit, lauter Lämmer, die anderen Mütter mit genug Milch untergeschoben werden, Mütter, die plötzlich eines ihrer eigenen natürlichen Kinder abstößt und deswegen angebunden wird, weil das Lamm dann zumindest trinken kann und die Mama es manchmal dann doch wieder akzeptiert, lauter Schafe, die von Nachbarn gebracht werden und Björk dann bei Geburtsproblemen helfen muss (manchmal erfolgreich, aber meistens versuchen wir dann irgendwann nurnoch irgendwie das tote Lamm rauszukriegen), Geburten, wo wir dachten sie wären schon vorbei und wenn wir das nächste Mal in die Box gucken ist plötzlich ein 3. Überraschungs-Lämmchen da, ein Lamm, was erschossen werden musste, weil es komisch Zuckungen hatte, die nicht mehr aufgehört haben, ein Schaf, dass auch erschossen wurde, weil es einen Bauchmuskelriss (oder sowas) hatte und die Lämmer nur gerettet werden konnten, wenn sie das Schaf erschießen und aufschneiden und die Lämmer rausholen und sie einer anderen Mama unterjubeln. Klingt Brutal, ist es auch irgendwie... das Traurige war, dass wir zunächst dachten, die Lämmer schaffen es, aber dann war es doch zu früh wür sie gewesen und sie waren nur noch ein Häufchen Elend. Deswegen hat Högni sie letztendlich auch in den Himmel gehen lassen... Und zuletzt noch die Hunde, die manchmal nach einer Geburt an das Hinterteil des Schafes kommen, was meistens Schleim- und Blutverschmiert ist, und sie das total gerne ablecken. Der Bloody Marry für die Hunde (sagen Högni und Björk).
Ich selber durfte ein paar Mal unter Anleitung von Björk einem Lämmchen auf die Welt helfen. In den letzten Tagen, habe ich das Gefühl, dass sie mir immer mehr vertraut haben, weil ich ein paar Lämmchen alleine holen durfte.
Heute war eine kritische Situation für ein Lamm, weil der Kopf bei der Geburt schon draußen war, aber die Beine nicht. Eigentlich müssen die zuerst rausflutschen. Dann muss man irgendwie versuchen, die Beine rauszukriegen, was oft mit dem Tod des Lamms einhergeht. Ich war also mit Högni im Stall und Björk war nicht da. Aber der Kopf des Lämmchens schon. Högni ist immer nur der, der das Schaf festhält, wenn man hinten was rausholt (das klingt irgendwie echt komsich^^...aber so ist es.). Also war ich an der Reihe und habe es tapfer gemeistert und ein gesundes putz munteres Lämmchen zur Welt gebracht:) tolles Gefühl! und Högni und Björk waren begeistert. (Björk hat mir jetzt schon drei mal gesagt, ich solle mir das mit dem Tierarzt werden doch nochmal überlegen..Aber nein, danke!)

Durch diese Masse an Lämmchen, ist viel Arbeit zu tun! Mittlerweile sind die Tage echt anstrengend. Morgens um halb 8 geht es los und abends sind wir bis halb 10 meistens im Stall... Zwei Stunden sind Mittagspause, wenn grade kein Schaf unsere Pläne durchkreuzt und ein Lamm rauspresst... Und ansonstens geht es halt alle paar Stunden zum Essen nach Hause. Dazu kommt, dass es mittlerweile nur wenige Stunden wirklich dunkel ist... Um 0 Uhr ist es noch hell und wenn ich um 4 Uhr auf Toilette dackel ist es schon wieder hell. Sehr komisch, weil es für mich schwer ist, bei Tageslicht so richtig müde zu sein. Aber irgendwie auch ein sehr cool Erfahrung. Um den 24. Mai soll die Sonne ein paar Tage immer zu sehen sein.

Essen... nicht verändert, lassen wir das Thema lieber :P

Ich habe jetzt noch ca. 10 Tage hier auf der Farm. Dann sieht mein Plan so was, dass ich für ein paar Tage Olli auf seiner Farm besuche (im Westen) und danach nach Rejkiavik düse, um ins hoffentlich wärmere Deutschland zu fliegen. Ich freu mich sehr auf die restlich Zeit und genieße einfach mein Leben:)

Ich habe ein paar Videos von Schafen und Lämmer zusammen geschnitten. Könnt ihr euch ja angucken, wenn ihr Lust habt.

https://vimeo.com/66327430

Die Szene, wo Högni und Björk an dem Lämmchen rumschnibbeln, zeigt einen Teil ihrer Arbeit. Auf Island ist es Tradition, dass die Farmen ihre Schafe die Ohren nach einem bestimmten Muster beschneiden. Mit dem Hintergrund, dass beim Schafe zusammentreiben nach dem Sommer, die Schafe den einzelnen Farmen zugeornet werden können. Mittlerweile sind sie verpflichtet, Schilder an die Ohren zu piercen (Högni hat mir angeboten, mir auch eines zu stechen.), aber zur Sicherheit, falls es über den Sommer abfällt, und wegen der Tradition, beschneiden sie die Ohren immernoch. Sieht dann so aus (ein super Green Peace-Fotot)

Außerdem hatte ich das wahnsinnige Glück, dass ich zur rechten Zeit am rechten Ort mit meiner Kamera war. Ich konnte eine Geburt filmen. Eine Natürliche bei der (fast) nicht geholfen wurde. Wenn ihr möchtet könnt ihr die euch angucken. (Ist aber natürlich unzensiert :D )

https://vimeo.com/66346330

Das Eingreifen am Schluss von Högni war lebensnotwendig für das Lamm. Sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, fängt das Lamm an zu atmen. Wenn dann aber noch der ganze Schleim vor der Schnauze ist, dann atmet es den ein und würde ersticken. Das rummschwenken lässt den eingeatmeten Schleim rausrutschen.

So. Bevor ich jetzt ins Bett falle, möchte ich euch noch Fotos von meinem neuem Lamm zeigen. Das ist Vladi (Vladimir, wenn er böse ist). Er ist bei der Geburt fast gestorben, hat es aber, entgegen aller Erwartungen, dann doch noch geschafft. Vermutlich hat er einen Gehirnschaden davon und ist deswegen so komisch und dumm. Er kann nicht von seiner Mama trinken und ist deswegen mein Fläschchenlamm. Er ist sooo süß!!! Ich habe mich in ihn verliebt... würde ihn am liebsten mitnehmen, weil er im Herbst auf jeden Fall zum Schlachter geht. Aber das wird wohl eher schwierig... Er ist wie mein Kind. Wenn ich komme und er mich sieht oder ich ihn rufe, kommt er zu mir gerannt. Und dann läuft er mir hinterher, egal wohin. Und wenn ich mich zu ihm setze turnt er auf mir rum und lässt sich überall streicheln und kraulen. :)

So. Das reicht jetzt. Ich muss dringend Energie tanken für morgen.
Ich hoffe, es war etwas spannendes dabei :)

Tschüssi. Isländisch: Bless, bless.

Lämmchen, Lämmchen, Bauerndekolté und noch mehr Lämmchen

Donnerstag, 02.05.2013

Die ersten 1 1/2 Wochen sind rum. Wow! Die Zeit rast.

Mittlerweile haben wir 140 Lämmchen. Die kommen hier fast stündlich, wie am Fließband! Die Arbeit wird etwas anstrengender, aber im Vergleich zu dem deutschen Fleiß ist hier alles entspannt :) Effizientes Arbeiten wird hier eher als überbewertet gesehen.

Meine Aufgaben im Stall sind beim Füttern das Heu anreichen und in die kleinen Boxen verteilen, Boxen neu einstreuen, Fläschchenlämmer füttern (Süß!), Mütter mit ihren Lämmern von Box A in Box B verfrachten, (teilweise nicht sehr angenehme) Reinigung der Hinterteile der Lämmer und wenn ich Mäuse finde, soll ich den Hund rufen, der fängt sie, bringt sie stolz zu Högni, der dann mit denen raus geht, den Hund lobt, der Maus auf den Kopf tritt, damit sie endgültig tot ist und schmeißt sie auf das Dach vom Stall, wo die Krähen schon drauf warten. (Mäuse sind hier ungern gesehen, weil sie im Stroh und Futter sitzen, was für die Tiere ist.) Lecker!!
Die einzelnen Aufgaben sind nicht anstrengend, aber den ganzen Tag auf den Beinen zu sein und sich einfach immer zu bewegen, wird auf Dauer dann doch eher fordernd. Das gute ist, dass wenn es zu anstrengend wird, Björk und Högni einfach stehen bleiben und eine kleine Pause machen. Das mach ich dann auch.
Neulich habe ein paar Schafen Wassereimer reinstellen müssen, weil die Tränken nicht funktioniert haben. In der Zeit, wo die Schafe getrunken haben, habe ich die Boxen weiter eingestreut. Darauf hin kam Högni zu mir und sagte: "Wir haben hier eine besondere Art zu Arbeiten. Wir machen immer nur eine Sache zur Zeit, um sicher zu gehen, dass wir nichts übersehen. Bitte halte dich auch daran." Seit dem muss ich vor den Boxen 5 Minuten warten, bis die Schafe fertig getrunken haben und kann dann was Anderes machen. So viel zur Arbeitsmoral. :)

An den Essensgewohnheiten hat sich nichts geändert... es wird für mich nur immer anstrengender das zu Essen. Heute zum Beispiel gab es einfach nur Brot, Kartoffeln, Ketchup und gekochten Fisch. Für ein gemüse-verwöhntes Mädel wie mich, ist das auf Dauer.... nicht so lecker. Naja. Noch 4 Wochen. (Wow, nur noch so kurz.)

In meiner freien Zeit immer zwischendurch, mache ich Sachen wie: spazieren gehen, Nachrichten lesen, Film gucken, ich habe ein Puzzle entdeckt und heute angefangen, die Pferde betüdeln, zum Nachbarhof fahren und mit den beiden Helfen dort quatschen, schlafen und essen. Also ganz erträglich.
Die Helfer auf dem Nachbarhof sind ein 28-jähriger neuseeländischer Schafsbauer (Jeremy) und eine 25-jährige (wie der Zufall es will) fertige Veterinärmedizinstudentin aus Leipzig (Maria). Beide sehr nett, aber sehr eingespannt auf ihrem Hof. Da wir immer nur zwischendurch für 1-2 Std. frei haben ist es etwas schwer sich dauernd zu treffen. Aber sie sind eine willkommende Abwechslung!
Ich bin ab dem ersten Tag Abends spazieren gegangen mit den Hunden. Die haben unendlich Energie und sich einfach mega gefreut, wie bekloppt rumrennen zu können. Wir haben hier ein Flüsschen neben dem Haus, wo sie dann natürlich gerne reinspringen und natürlich riesen Felder auf denen sie rumtoben. Nach dem dritten Tag kam Björk dann zu mir und meinte, ich soll ab sofort ohne die Hunde gehen, weil: "They always look like shit after that."......... Motivation weg! Hallo? Das sind Hunde! Die toben und spielen draußen. Soll sie mir mal zeigen, wie man einen Hund dazu bringt, sauber zu bleiben...

Da kommen wir auch schon zu dem etwas schwierigen Teil für mich. Björk. In einigen Momenten kann ich mit ihr Späße machen, aber die meiste Zeit sieht sie einfach nach schlechter Laune aus. Sie ist kein von Grund auf fröhlicher Mensch und verhält sich und redet auch so mit einem.. Mit so etwas kann ich schwer umgehen. Ich weiß halt immer nicht, ob ich irgendwas falsch mache ( was in einer anderen Kultur ja sehr gut sein kann) oder ob sie einfach so ist. Högni, ihr Mann, ist hingegen auch speziell, aber sehr nett und offen und auch interessiert. Er fragt öfter mal nach Sachen in Deutschland und wie ich lebe und so. Björk hingegen redet eigentlich nur mit mir, wenn sie mir sagt, was ich arbeiten soll. Und manchmal sagt sie das auf Isländisch zu Högni, der mir das dann sagt. Tja. Das ist teilweise etwas unangenehm und verunsichert mich. Leider kann ich deswegen ihnen gegenüber nicht so offen und unbeschwert sein, wie ich es gerne sein würde. Das Ganze wird natürlich noch unterstützt, durch Lila (die Mutter von Björk), die kein Wort Englisch kann und mit der ich immer nur nette Blicke austausche. Es ist aber einfach ein komisches Gefühl, in dem Haus von jemandem zu wohnen, mit dem man gar nicht spricht. Und Björk und Högni wirken leider nicht sehr übersetzungsfreudig...

Trotzdem nutze ich die Zeit so gut es geht fü  r mich und bin bis jetzt recht zufrieden. Heute habe ich mit Högni darüber geredet, dass ich mir sehr gerne einen eigenen Pullover stricken würde aus isländischer Wolle. Er hat vorgeschlagen Lila zu fragen, ob sie mir helfen kann. Mal sehen, ob das was wird...Es wäre bombastisch! Aber ich bin da noch etwas skeptisch...

Jetzt kommen noch ein paar Bilder von Haus, Schafen, Lämmer und dem mich immer begleitenem Bauerndekolté von Högni. :D

 Wohnhaus, Pferdestall und Krims-Krams-Halle:
Schafstall (mit Björk)

Blick direkt von meinem Bett nach draußen:
Schafstall:   das sind die Boxen, wo Mama+Lamm reinkommen für ein paar Tage, bevor sie in Boxen mit 4-8 Anderen kommen:
Schafe: (fast keine Schafe bei uns haben Hörner, weil die sehr gefährlich sein können, aber das Bild fand ich gut) (das hat Schlappohren und hüpft wie ein Kanninchen durch die gegend :) ) (das haben wir versucht einer anderen Mutter unterzujubeln, weil seine eigendliche Mutter nicht genug Milch für zwei Lämmer gegeben hat. Ein Anderes Schaf, was eigentlich nur eins bekommen sollte, hat dann angefangen zu gebären. Darauf hin wird sofort das Lamm, was ihr untergejubelt werden soll, bereit gehalten. Wenn das eine Lamm von der Gebärenden rausgeflutscht ist, wird es sofort in einem Eimer mit warmen Wasser gebadet. Das "Fake"-Lamm wird dann direkt danach auch in den Eimer gesteckt, damit es Nass ist und nach der zukünftigen Mama riecht. Danach wird es noch zusätzlich ordentlich an dem Hintern und der Nachgeburt gerieben, damit so viel Geruch wie möglich dran ist, und ihr mit dem wirklich neu geborenem vor die Nase gelegt zum abschlabbern und Mamagefühle wecken. In diesem Fall allerdings kamen unerwartet zwei aus der Mama geflutscht. Also war die ganze Prozedur umsonst, weil drei für eine Mama zu viel sind. Danach sah es aber aus wie ein kleines Teufelchen:) )
darf ich vorstellen, mein Lieblingslämmchen: 
 Tinna: 
Hier sieht man eine Geburt. Das Schaf hat sogar drei Lämmer. zwei sind schon da und das eine holt Björk grade raus. Und tadaaaa... das Bauerndekolté á la Högni :) Hier sind alle da:   
Zuletzt noch ein paar Pferdchen:  (in der Hand und auf dem Boden ist das Fell vom Pferd :P )

Soooo... das war es. Ich bin gespannt, wie es sich bei mir weiter entwickelt und werde bald wieder schreiben! Bis dahin: Mäh!!

Grünzeug? Fehlanzeige!

Mittwoch, 24.04.2013

Aus vier Lämmern, sind nach vier Tagen 15 geworden. Es geht jetzt langsam los und Stunde um Stunde fängt ein neues Schaf an kräftig zu pumpen um ein neues Leben aus sich raus zu pressen. Klingt irgendwie ekelig.
Gestern habe ich endlich eine Live-Geburt miterlebt. Davor habe ich sie immer genau verpaat und für Högni und Björk ist das alles reine Rutine, dass sie vergessen haben mir bescheid zu sagen. Aber sie haben mir versichert ich werde noch viele, viele mitkrigen. So ist es auch. Jetzt sind es schon drei.
Eine natürlich, eine mit Björk (der besten Schaf-Hebamme in der Gegend hier) als Hebamme und leider auch eine Tod-Geburt. Wir haben leider zu spät gesehen, dass das Lämmchen falsch lag. Wir haben versucht es wieder zu beleben, aber es war schon zu spät... es war schon erstickt. Tja.. sowas gehört auch dazu.
Die Mama hat dann natürlich laut rumgeschrien, wo denn ihr Baby sei. Eine Stunde später hat ein anderes Schaf zwei Lämmer bekommen, also haben wir ihr eins direkt aus dem Bauch geklaut und es der anderen Mama gegeben. Mal sehen ob sie es annimmt. Wir sind zuversichtlich, aber es kann auch sein, dass sie noch nach zwei Tagen das Lamm plötzlich abstößt.

Um zu dem erfreulicheren Teil meiner Arbeit zu kommen:
Es ist so unglaublich süß und bemerkenswert, wenn man beobachtet, wie ein neugeborenes Lamm langsam zu sich kommt, von der Mama geleckt und angeknabbert wird und dann versucht auf die Beine zu kommen und einfach immer wieder umfällt. Und wenn dann die Mama mäh-t und ein kleines piepsiges leises Mäh vom Baby antwortet. Das ist einfach so unglaublich zu sehen und hören :) Da geht einem das Herz mehr als auf!!
Ich glaube am besten wird dir Phase in der die Lämmer mit den Müttern in die große Box kommen und die Kleinen dann rumspringen wie bekloppt und hinfallen und kämpfen und so. Hach! :)

Ansonsten hält sich die Arbeit bis jetzt noch in Grenzen. Ich arbeite vielleicht so insgesamt 5 Stunden am Tag. Und die Arbeit ist sehr entspannt. Högni und Björk lassen sich eine Menge Zeit und sobald es zu anstrengend wird, machen sie Pause und essen irgendwas, um sich danach aufs Sofa zu legen und einzuschlafen und dann ein bisschen später wieder mal zum Stall. Ich habe jetzt leider mein einziges Buch durchgelesen und muss jetzt anfangen mich irgendwie zu beschäftigen. Mal sehen:)

Und nun zum Titel des Eintrags:

Das Essensverhalten hier ist schon sehr krass unterschiedlich zu dem, was ich gewohnt bin.
Es fängt mit Frühstück an, 3-4 Std später geht es dann weiter mit Mittagessen, worauf etwa 2-3 Std später Kaffe und Kuchen folgen. Dann etwa 3 Std später ist auch schon wieder Zeit für das Abendessen.
Und es ist nicht so, dass es leichte Kost gibt und es dadurch nicht so schlimm ist. Nein. Es gibt einfach immer Toast mit Butter und Käse auf dem Tisch. Mittags und Abends gibt es warmes Essen, was sich zusammensetzt aus Kohlenhydraten und Fleisch und ab und zu noch eine aufgeschnittene Tomate. Das gestrige Abendessen war unglaublich!! Es gab: Nudeln, Kartoffeln (auf die sie ein bisschen Zucker gestreut haben), eine Reis-Hackfleisch-Pampe, dazu Ketchup á la Tomatensauce und Brot mit Butter und wahlweise noch Käse. Ich versuche mich so stark zu beherrschen, wie ich nur kann, sonst haben die Wochen hier einen üblen Einfluss auf mich und mein Gewicht.. Es ist wirklich beeindruckend, was und auch wie viel sie Essen können!!
Ich kann leider auch nicht Salat oder so einkaufen, weil der nächste Shop etwa 15 min Autofahrt entfernt ist... also heißt es erstmal: kleine Portionen.

So das reicht jetzt erstmal. Ich werde zum Essen gerufen. Nein Scherz :P
Bis bald!

fallendes Wasser, Konzert und die ersten Schafe

Dienstag, 23.04.2013

Weiter geht es mit Tag Drei.
Nach vier Stunden Schlaf wache ich putzmunter auf. Als der Couchsurfer auch aufwacht, machen wir uns auf den Weg mit Auto und Hund. Ab geht es bei strahlendem Sonnenschein und einem atemberaubendem Blick (wie eigentlich immer und überall bis jetzt).

Zuerst fahren wir zu einem sehr bekannten Wasserfall. Der Weg hin und zurück war beeindruckender, als der Wasserfall selber.  Wir mussten ein Stück zu Fuß gehen. Gestartet haben wir bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Etwa fünf Minuten später begann die Welt - gefühlt - unterzugehen. Es wurde dunkel, der Wind war höllisch und innerhalb von zwei Minuten hat es geregnet, geschneit und gehagelt gleichzeitig. Das Motto der Isländer: You don't like the weather? Then wait two minutes. Und genau das muss man tun. Denn etwa zwei - nagut vielleicht drei - Minuten war es wieder Sonnenschein-wohlfühl-Wetter. Unglaublich! Aber wahr...
Danach ging es weiter zu einem anderen Wasserfall, der wegen der etwas ungünstigen Lage, keine Turistenattraktion ist. Aber 1000-mal schöner!! Es war einfach unglaublich, faszinierend, befreiend und glücklich machend!!

Wieder in Reikjavik angekommen ging es direkt weiter zu einem Konzert in einer Musikakademie - Pop/Jazz. Dort habe ich wieder Elfa und ihre Familie getroffen. Sehr gute Sänger, schöne Lieder und eine gute Stimmung. Danach habe ich mir nochmal etwas Zeit genommen, um durch die "Innenstadt" zu laufen und etwas mehr zu sehen. Eine sehr schöne Stadt, mit faszinierendem Horizont und einer angenehmen, familiären Stimmung.  

Am nächsten Tag ging es los in den Norden, Richtung Schafsfarm.
Ich bin mit dem Bus an den Stadtrand gefahren und von dort aus über die einzige "Autobahn" (bei uns wäre es eine Landstraße), den Rest der Strecke getrampt.
Ich habe insgesamt 5 Stunden gebraucht und drei Autos. Ein alter Fischermann, der eine Privatinsel besitzt und meinte ich soll mir nach meiner Reise folgende Frage selbst beantworten: Was würde ich mit Island machen, wenn ich Königen wäre?; ein sehr netter Isländer, von Beruf Hotel-Page, der sich am liebsten um die deutschen Gäste kümmert; und eine Frau mit ihrem Sohn, die sich an dem Handel mit den Unmengen an heißem Wasser auf der Insel beteiligt und mich eigentlich nicht mitnehmen wollte, aber dann tanken musste und nicht Nein sagen konnte, als ich sie gefragt habe (am Ende war sie doch froh, weil wir uns sehr gut verstanden haben :) ).

Fünf Stunden später und 300 Kilometer weiter treffe ich auf einer Tankstelle auf Högni und Björk. Die beiden sind seid 2003 auf ihrer Farm und sind zwei waschechte, gut bestückte, nach Schaf riechende, herzensliebe Isländer.
Auf dem Weg zur Farm unterhalten wir uns, wobei ich zunächst kaum etwas verstehe, weil sie nuscheln und eine sehr eigene Körpersprache haben. Ich glaube, ich brauche noch etwas Zeit, bis ich verstehe, wann sie Scherze machen, wann sie sehr ernst sind, wann etwas wichtig ist, oder nicht.
Angekommen auf dem Hof, bin ich erleichtert, weil ich mich von Anfang an wohl fühle. Zwei sehr lebenige, durch die Gegend rennende Hunde, sieben Pferde, vierhundert mäh-ende Schafe, vier frische Lämmchen und eine nicht Englisch sprechende Lila (Mutter von Björk) begrüßen mich.
Nach Kaffee und Kuchen gab es gleich die Fütterung. Eine von mir unterschätzte Arbeit die doch schweißtreibend ist und mir mal wieder gezeigt hat, dass ich vielleicht nicht in der Form bin, in der ich sein sollte... Aber etwass beruhigend: im vergleich zu Högni und Björk bin ich ein Strich und eine Sportskanone :D

In den ersten Tagen ist noch nicht viel zu tun, da erst sehr wenige Lämmer da sind. Högni und Björk sagen, dass ist die Ruhe vor dem Sturm! Also jede freie Minute genießen.
Den ersten ganzen Tag hier habe ich dann auch direkt genutzt um Schafe zu beobachten, Lämmchen zu streicheln, Hunde zu bespaßen, Pferde zu putzen, spatzieren gehen und auch eine kleine Runde reiten auf den Isländern. Ein riesen Spaß! Kleine, schöne, gemütliche Pferde durch ein wunderschönes Natur-Szenario.
Ich blicke also sehr zuversichtlich auf die nächsten Wochen und bin überzeugt, dass es eine unvergessliche Erfahrung wird.

Die ersten Tage - unerwartet beeindruckend

Montag, 22.04.2013

Hallöchen.

Es ist schon etwas merkwürdig diesen Text zu schreiben, mit dem Wissen, dass ihn bald schon viele Leute lesen werden. Ich fang einfach mal an.

Donnerstag war es so weit. Los geht's! Von Berlin aus ging es los, mit dem Flugzeug einer unbekannten Fluggesellschaft ( so unbekannt, dass ich Angst hatte, sie existiert nicht).  Nach einem ca.4 Std. Flug und einem seltsam unbekannten, aufregendem Gefühl im Magen, lande ich auf Island und fahre mit dem Bus nach Rejkiavik.
Der erste Isländer, den ich "kennen gelernt" habe, war ein etwa 40 jähriger Mann, der mit mir vom Flughafen nach Rejkiavik gefahren ist. Als erstes hat er sich eine Mini-Vodkaflasche gekauft und sie gemütlich auf der Fahrt getrunken. Eine Norwegerin neben mir, erzählt mir, dass sei typsich für Isländer. Tja... diese Aussage ließ mich etwas sorgenvoll werden, wie wohl der Couchsurfer sein wird, bei dem ich 4 Tage in Reikjavik verbringen wollte.

An der Busstation im "Zentrum" angekommen, überkam mich etwas Panik. Es war nicht annähernd ein Zentrum zu erkennen, so wie ich es gewohnt bin. Und weit und breit kein Couchsurfer mit Ziegenbart (ich hatte nur ein Bild von ihm vorher gesehen) zu sehen. Nach etwa 10 min kam ein kleiner Mann mit ohne Haaren angebraust. Gísli, ein 31 jähriger herzens guter, SEHR verrückter und eigenartiger Isländer, ohne Ziegenbart. (Später hat er mir erzählt, dass er sich beim Duschen rasiert hat und der Spiegel runtergefallen ist. Beim Versuch diesen aufzufangen, war plötzlich ein entscheidener Teil seines Bartes weg. Traurig, traurig.)
Seine Lebensphilosophie:

Wir sind gleich drei Straßen weiter gefahren, in DIE Straße von Reikjavik. Es war schon virtel nach Fünf, also waren alle Geschäft schon zu. (In der Hauptstadt!) Da für Gísli, waschechter Isländer, die Stadt ziemlich gewohnt und unspecktakulär ist, sind wir quasi druchgerannt. Ich war voll mit Eindrücken der Reise, der Landschaft und der Leute.
Danach sind wir zu ihm nach Hause. Ein Ein-Zimmer-Arpartment etwas weiter draußen von der Stadt. Begrüßt hat mich eine riesige Fellkneul-Hundedame, namens Ollí.
Nach dem Essen , hat mir Gísli (selbstständiger Fotograph und Programmierer) ein paar seiner Fotos gezeigt. Komischer weise keine sehr beeindruckenden. Allerdings unteranderem ein seltsam komisch, verrücktes Foto. Er erzählt: Es gab eine Zeit, in der sehr häufig Fotos von Babys nackt, krabbelnd auf einem Fell gemacht wurden. Er hatte nicht so ein Foto von sich, als er ein Baby war. Also hat er es mit 29 Jahren nachgeholt...

Am nächsten Tag ging es gleich früh morgens los, mit dem Hund, zum Baden in einer heißen Quelle. Mein Traum! Nach 30 min. Auto fahren, folgte eine fast zwei Stunden lange Wanderung. Vorbei an qualmenden Löchern , kochenden Pfützen  und einem unglaublichen Ausblick , ab ins heiße Wasser. (Wir mussten erst eine Stelle im Fluss finden, an der das Wasser eine erträgliche Temperatur hatte.) Es war unglaublich und fantastisch!!

Am Nachmittag bin ich zu der Familie von Elfa gefahren. Eine alte Studien-Freundin von meiner Mutter. Sie wohnt mit ihrem Mann und drei Söhnen in Reikjavik. Eine Familie voller Musik, Herz und Interesse an Neuem. Ich kamm pünktlich zum großen Pizza-Essen. Danach sind wir in eine Kirche gefahren, wo eine Freundin der Familie ihr Abschlusskonzert gegeben hat. Klassischer Gesang. Sehr beeindruckend und unerwartet schön :)
Später sind der Couchsurfer und ich nochmal losgegangen in die Stadt - Erleben der isländischen Party-Szene.
Diese bestand darin, wie aufgestylte Püppies über die Straße stöckelten, von einem Club in den anderen und das unausgesprochene Spiel "Wer kriegt die meisten Blicke ab" spielen. Eher unsympathisch, aber doch auch interessant.
Es war ein wahnsinniger und wunderbarer Start in das Abendteuer Island.